Quantencomputing hat viel Diskussion ausgelöst – und viele Missverständnisse.
Können Quantencomputer bereits deine Kryptowerte stehlen? Müssen Nutzer ihre Schutzmaßnahmen ändern? Und wie bereitet sich die Branche auf die Zukunft vor?
Wir haben Jimmy Su, Chief Security Officer bei Binance, gebeten, die fünf häufigsten Fragen zum Quantencomputing zu beantworten.
1. Können Quantencomputer wirklich deine Kryptowerte stehlen?
Eines der größten Missverständnisse ist, dass Quantencomputer bereits die Kryptografie brechen können, die heute die großen Blockchain-Netzwerke wie Bitcoin und Ethereum schützt. Laut Jimmy ist das schlichtweg nicht der Fall.
„Aktuelle Quantencomputer sind bei Weitem nicht groß und zuverlässig genug, um die Kryptografie zu brechen, die digitale Vermögenswerte schützt", erklärt er.
Die Sorge hängt mit der Funktionsweise von Quantencomputern zusammen. Ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte irgendwann Shors Algorithmus ausführen – einen Quantenalgorithmus, der bestimmte mathematische Probleme deutlich schneller lösen kann als herkömmliche Computer. Theoretisch könnte er damit aus einem öffentlichen Schlüssel, der für digitale Signaturen verwendet wird, einen privaten Schlüssel ableiten.
Doch die heutigen Quantencomputer sind von dieser Fähigkeit noch weit entfernt.
„Quantencomputing ist ein echtes langfristiges Sicherheitsthema, aber es ist heute keine unmittelbare Bedrohung für deine Kryptowerte. Wichtig ist, dass wir uns vorbereiten, bevor sich das ändert."
2. Wenn Krypto heute nicht gefährdet ist, warum redet dann jeder über Quantencomputing?
Neue Forschungsergebnisse haben die Schätzungen verändert, wie viel Rechenleistung zukünftige Quantencomputer benötigen könnten, um weit verbreitete kryptografische Algorithmen zu brechen. Das hat zwar keine Auswirkungen auf die Sicherheit der heutigen Blockchain-Netzwerke, deutet aber darauf hin, dass der Branche womöglich weniger Zeit zur Vorbereitung bleibt als bisher angenommen.
Im März 2026 veröffentlichten Forscher bei Google Quantum AI ein Paper, das nahelegt, dass zukünftige Quantencomputer rund 20-mal weniger Rechenressourcen benötigen könnten, um die Verschlüsselung von Bitcoin und Ethereum zu brechen, als bisher angenommen. Entscheidend ist, dass die Verbesserung auf effizienteren Quantenalgorithmen beruht und nicht auf einem plötzlichen Sprung in der Quantenhardware.
Aktuelle Quantencomputer sind noch weit davon entfernt, einen solchen Angriff durchführen zu können. Die Vorbereitung des Krypto-Ökosystems auf Post-Quanten-Sicherheit wird jedoch Zeit brauchen, denn Blockchain-Netzwerke, Wallets und Börsen können nicht über Nacht aktualisiert werden.
„Wir sprechen jetzt über Quanten, nicht weil es heute einen Notfall gibt, sondern weil es zu spät sein könnte, wenn wir warten, bis ein Notfall eintritt."
3. Sollten Nutzer heute etwas anders machen?
Für die meisten Krypto-Nutzer lautet die Antwort: Nein. Quantencomputing ist zwar ein wichtiges langfristiges Sicherheitsthema, ändert aber nichts an den größten Risiken, denen Nutzer heute ausgesetzt sind.
„Die Bedrohungen, die heute am wahrscheinlichsten deine Kryptowerte stehlen, sind immer noch Phishing, Malware, Social Engineering, kompromittierte Zugangsdaten und mangelhafte Wallet-Sicherheit – nicht Quantencomputer."
In der Praxis bedeutet das, weiterhin dieselben bewährten Sicherheitspraktiken zu befolgen:
- Schütze deine Wiederherstellungsphrase und deine privaten Schlüssel.
- Verwende vertrauenswürdige Wallet-Software.
- Halte deine Software auf dem neuesten Stand.
- Vermeide unnötige Wiederverwendung von Adressen, soweit möglich.
Jimmy warnt außerdem davor, vorschnell zu Produkten zu greifen, nur weil sie behaupten, „quantensicher" zu sein.
„Du könntest dir heute tatsächlich mehr Sicherheitsrisiken einhandeln, wenn du dich gegen eine zukünftige Bedrohung zu schützen versuchst", warnt er.
Mit der schrittweisen Einführung der Post-Quanten-Kryptografie werden seriöse Wallets und Dienstanbieter den Nutzern voraussichtlich klare Hinweise für eine künftige Migration geben.
4. Was ist das Schwierigste daran, Krypto quantensicher zu machen?
Viele gehen davon aus, dass die größte Herausforderung die Entwicklung quantenresistenter Kryptografie ist. Laut Jimmy ist das nicht mehr das Haupthindernis.
„Wir haben bereits Post-Quanten-Kryptografiealgorithmen, die Angriffen von klassischen Computern und Quantencomputern widerstehen sollen. Die größere Herausforderung ist es, das gesamte Krypto-Ökosystem sicher zu migrieren."
Anders als herkömmliche Software können Blockchain-Netzwerke nicht einfach ein einzelnes Update an alle Nutzer ausrollen. Ein künftiger Übergang würde die Koordination zwischen Entwicklern, Minern, Node-Betreibern, Börsen, Verwahrern, Wallet-Anbietern und Millionen von Nutzern erfordern.
Die Migration wirft auch grundlegendere Governance-Fragen auf.
„Wenn diese Coins durch Kryptografie geschützt sind, die irgendwann verwundbar wird – was sollte dann mit ruhenden oder möglicherweise verlorenen Wallets passieren? Friert man irgendwann Legacy-Coins ein, die nicht migriert wurden? Wie viel Zeit sollten Nutzer für die Migration bekommen?"
Letztendlich werden diese Entscheidungen von den einzelnen Blockchain-Communities getroffen, wenn sie ihre eigenen Upgrade-Wege entwickeln.
„Deshalb ist Quantensicherheit kein einzelnes Software-Update. Es ist eine langfristige, branchenweite Migration."
5. Wie bereitet sich Binance auf das Quantenzeitalter vor?
Bei Binance wird Quantencomputing wie jede andere neue Sicherheitsherausforderung behandelt: früh vorbereiten, auch wenn das Risiko noch Jahre entfernt ist.
„Unsere Sicherheitsphilosophie ist es, sich auf aufkommende Risiken vorzubereiten, bevor sie zu unmittelbaren Bedrohungen werden."
In der Praxis bedeutet das: die Entwicklungen im Quantencomputing beobachten, Post-Quanten-Sicherheitsstandards bewerten und die Infrastruktur von Binance darauf vorbereiten, den langfristigen Übergang der Branche zu unterstützen.
Jimmy betont jedoch, dass kein einzelnes Unternehmen diese Herausforderung allein lösen kann.
„Bitcoin, Ethereum und andere Blockchains haben ihre eigenen Communities und Upgrade-Wege. Börsen, Verwahrer und Wallet-Anbieter müssen diese Migrationen letztendlich unterstützen und den Nutzern helfen, sicher zu wechseln."
Fazit
Quantencomputing hat das Potenzial, die digitale Sicherheit neu zu gestalten, stellt aber keine unmittelbare Bedrohung für die heutigen großen Blockchain-Netzwerke dar.
Vorerst bleibt der Fokus auf bewährten Sicherheitspraktiken, während sich die Krypto-Branche auf einen schrittweisen Übergang zur Post-Quanten-Kryptografie vorbereitet.
Jimmy ist zuversichtlich, dass die Branche bereit sein wird, wenn es so weit ist.
„Krypto hat in der Vergangenheit schon große technologische Veränderungen durchgemacht, und ich gehe davon aus, dass es auch diese überstehen wird. Bis dahin: Bleib informiert, achte auf Sicherheit und bleib SAFU."
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Aussagen zu Quantencomputing, Post-Quanten-Kryptografie und zukünftigen Sicherheitsvorkehrungen sind mit Risiken und Unsicherheiten verbunden und basieren auf aktuellen Erwartungen und Annahmen. Die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich abweichen. Dieses Material ist nicht als Finanzberatung zu verstehen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Nutzungsbedingungen und Risikowarnung.





